Into Darkness

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Heidelberg ist nicht nur die Stadt mit der ältesten und wohl auch bekanntesten Universität auf deutschem Boden, sondern auch eine, in der der Metal in seinen verschiedenen Prägungen überaus lebendig ist.

Und in dessen extremen Spielarten gehören INTO DARKNESS definitiv zu den Namen, die man gehört haben sollte. Und das sind sie immer noch, auch wenn folgendes Interview bereits vier Jahre auf dem Buckel hat, weil das angedachte Printfanzine damals aus Zeit- und Finanzgründen nicht erschienen ist. Wer sich genau hinter der Band verbirgt, erfahrt ihr hier. Lasst euch von Sebastian Längerer in die Dunkelheit entführen…

Guten Abend liebe Leser vom Infernal Noise Mag. Ich bin Sebastian „Sebastard“ Längerer der Sänger/Gitarrist von Into Darkness (Heidelberg Death Metal) und werde euch Rede und Antwort stehen.

Da jede Band irgendwann gegründet wurde, wird das auch bei euch der Fall gewesen sein. Begeben wir uns also zurück in eure frühesten Anfänge. Seit wann gibt es euch und wer spielt bei euch mit?

Die Band gibt es seit Juni 1995 und wurde von mir in Heidelberg gegründet, vom damaligen „Lineup“ existiere nur noch ich. Am Bass spielt aktuell Marco „Skully“ Martin und am Schlagzeug Robert Witzel.

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Wart ihr vorher schon in anderen Bands aktiv?

Ich selber hatte mal eine Jugendband namens „Fear Of Godzilla“ und dann noch meine Abi Band (1994) mit dem unglaublichen, aber wahren Namen: „Die scheissenden Teenies“ (Benannt nach einem tschechischen Pornofilm aus den 70ern). Marco war vorher in diversen Pfälzer Punkrock-Bands aktiv und spielt nach wie vor noch in seiner eigenen Band Compulsive Slaughter Bass. Robert war bis vor kurzem noch bei Boiling Blood am Schlagzeug zu sehen und zu hören.

Ihr habt ja schon einige Veröffentlichungen. Erzähl mal etwas drüber!

Wir haben 1997 ein Album namens „Misfortunal Odes in D-Minor“ auf Tape veröffentlicht, ein Jahr später die Sieben-Zoll-EP “ Reanimation“, im Jahr 2000 noch eine Single, nämlich “Killing In Front of Thirteen Souls“ und 2012 das Album „Dysphoria“ sowie mehrere Samplerbeiträge. [2015 erschien übrigens ein weiteres extrem hörenswertes Album namens „Sinister Demise – red.]

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„Death“ heißt auf deutsch ja „Tod“. Was bedeutet denn Death Metal für euch? Ist es nur Musik oder hat es auch etwas mit der Gesamtatmosphäre zu tun, also das auch das Artwork und die Texte in irgendeiner Weise etwas mit dem Tod zu tun haben?

Death Metal ist eine Lebenseinstellung und dazu passend sollten auch die Texte und die Musik sein, genau wie das Artwork. Textlich geht es auch bei uns vornehmlich um den Tod, Schmerz, Leid, das Böse, aber auch um Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Optisch mag es zwar recht düster zugehen, aber am Ende sind wir drei nur eine Bande lustiger Metalheads, die für jeden Spaß zu haben sind. Wir vertreten kein bestimmtes Image und lassen uns nicht gerne einen Stempel aufdrücken, dazu sind wir zu quirlig.

Die ersten Bands aus dem Bereich Black-Death-Thrash Metal wie Venom, Sodom, Hellhammer, Kreator, Destruction, Possessed, Mantas/Death befassten sich in ihren Texten mit Satanismus, Tod, Zombies, etc, also mit „sinistren“ Themen. Wovon handeln eure Texte?

Wie oben erwähnt, haben wir schon auch einige wenige Klischeetexte dabei, welche wir aber auch oft metaphorisch verwenden, um auf aktuelle Parallelen oder Zeitgeschehnisse zu verweisen. Wir stehen nicht auf hirnlose Zombiegore-Texte, haben aber großen Spaß an Auszügen dieser und verwursten diese möglichst pathologisch mit viel Zynismus, zu einem Frankenstein Über-Mutantentext, der im Optimalfall zum Nachdenken anregen sollte.

Was sind eure musikalischen Einflüsse und was kommt -selbst wenn es sich nie in eurer Musik wiederspiegelt- ansonsten auf den Plattenteller?

Ich spreche zunächst für mich. Ich bin der Heavy Metal Fan (Iron Maiden, Judas Priest), welcher eigentlich mit Progbands der 70er (Queen, Yes, Rush) und den mächtigen Police aufgewachsen ist. Ich mag sowohl melodische und anspruchsvolle Rock und Metalbands, wie auch rhythmische, kraftstrotzende Ballerbands, die aber alle eins gemein haben sollten: Können und Spielwitz. Marco ist wohl eher der Urpunker, der zwar noch immer die mächtigen Overkill anbetet, aber eher der Grind und Brutal Death Fan ist. Robert ist erstaunlich allwissend, was die Death Metal Historie anbelangt (und das ob seinen jungen Alters) und, ich denke auch wie ich, sehr offen für einfacher gesagt: gute handgemachte Musik, sei sie elektrisch, elektronisch oder akustisch. Nur bei der Folklore tun wir uns wohl alle sehr schwer. Eine Band mögen wir alle drei: Tenacious D, eine wahre Gigfahrband, bei der jeder lauthals mitsingen darf.

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Wie viele Konzerte habt ihr bereits gegeben und was bedeutet Livespielen für euch?

Wir zählen schon lange keine Gigs mehr, es waren viel zu viele um alle in Erinnerung behalten zu können aber alle haben sie uns Spaß gemacht. Konzerte bedeuten für uns alles! Wir sind eine echte Liveband welche sich nur auf der Bühne pudelwohl fühlt,..viel lieber als im Studio oder dem Proberaum. Hier kann ich mich endlich austoben und meinen angestauten Gefühlen vollen Freilauf geben! Ausserdem brauche ich Auslauf für meine vielen Gitarren. Das geht nur bei Proben oder auf der Bühne (um nicht als Klampfen-Egoist abgestempelt zu werden)

Mit welchen Bands habt ihr schon gespielt und mit welcher würdet ihr gern auf der Bühne stehen?

Och da gab´s schon ein paar wie gesagt uns gibt´s ja schon lange ein Auszug: Pestilence (NL), Hail Of Bullets (NL), Vreid (N), Inhume (NL), Skinless (US), Death Before Dishonour (USA), Gurd, Necrophagist, Disgorge (MEX), Nunslaughter (US), Centinex (SWE), Thanatos (NL), Defiled (JAP), Dementor (SK), Sanatorium (CZ), Postmortem, Purgatory, Tombthroat, Drowned (BRA), Abandoned, Epica (NL) Bastard Nation, Hatchery, Kronos (F), Anasarca, Tears of Decay, Manos, Izegrim (NL), Centaurus-A, Visions Of Atlantis (AT), Massmurder (NL), Ivory Night, Shapeshift, Disillusion, Black Messiah, Grabak, Nervochaos (BRA), Silent Overdrive, Bitterness, Progeria, Inhumate (F), Vulvathrone (SLO), Neurasthenia (I), Dew Scented, Irony, Intervalle Bizarre(Cz), Deadborn, Necropsy, Vomit The Soul (IT), Plector (SWE), Sanitys Dawn, Irate Architect, Ragnarok (NOR), Dead und es werden dieses Jahr noch sehr geile dazukommen wie Master, Misery Index, Centurian und viele mehr.

Wir würden sehr gerne mal mit Morbid Angel, Nile oder Obituary spielen, das wäre mal eine schöne Sache!

Wart ihr schon einmal Teil einer europaweiten Tour?

Klar, nur leider spricht sich das wohl nicht weit genug rum…wir waren schon 4-5 mal auf Tour. Die größte war 2000 mit Nunslaughter (US) und Centinex (SWE), 3 Wochen durch Süd- und Mittel-Europa. Dann 2001 mit Dementor (SK), Defiled (JAP) und Disgorge (MEX), das war so eine Patchwork Eurotour. Letztes Jahr waren wir mit Ragnarok aus Norwegen und Nervochaos aus Brasilien eine Woche on the Road. Dann gab es kurze 3-Tages Minitourneen 2004 und 2005 in Deutschland/Schweiz/Österreich, je einmal mit Disillusion und Dew Scented und letztes Jahr einige kurze Dates mit unseren japanischen Freunden von Defiled aus Tokio (je vor und nach der Eurotournee mit Hate Eternal und Obscura). Dieses Jahr fliegen wir zum ersten Mal auf eine interkontinentale Tour nach Brasilien, wo wir mit Misery Indey (USA) und Centurian (NL) spielen werden. Dadurch, dass wir alle beruflich oder durchs Studium eingespannt sind, können wir leider nur kürzere und realistische Tourangebote wahrnehmen, bei welchen man auch auf der sicheren Seite sitzt. Die Zeit der Abenteuer-Tourneen sind leider um.

Heidelberg ist ja jetzt nicht unbedingt das Metalmekka. Da Metal aber eine sehr globale Musikform ist, spielt das ja auch oft keine Rolle. Wie sieht ihr euch, seid ihr eher eine regionale Band oder kommen eure Fans auch von weiter her? Vielleicht sogar aus dem Ausland?

Wir sind klar eine regionale Band und auch stets präsent im Raum Rhein Neckar, aber logo, über die Jahre gab´s immer mehr Fans, auch viele im Ausland, eben durch die Tourneen und das Internet. Wir haben zur Zeit recht viele Fans in Brasilien und den USA.

Ja, ja, das Internet… Das Internet hat die Metalszene ganz erheblich verändert. Früher musste man an noch IRCs ins Ausland schicken, um irgendwann mal ein Demo, etc. zu bekommen. Mit Youtube, Myspace, Soundcloud ist jedes Lied nur einen Mausklick entfernt. Findest du diese Entwicklung gut oder schlecht?

Nun, wir konnten nur mit Hilfe der IRC und der damals sehr umtriebigen Tapetrading Szene 1000 Demos (und wohl viele mehr) loswerden und genau dieser Bewegung verdanke ich all meine langjährigen Kontakte zu vielen Szenegrößen und Labels. Ich sehe oft wehmütig in die Vergangenheit, kann aber auch viele Fortschritte sehen. Man kann mittlerweile viel effektiver werben und nach wesentlich mehr aussehen, als man vielleicht tatsächlich darstellt. Nur auf der Bühne oder im direkten Gespräch würde man da vielleicht hinter die wahren Kulissen sehen können. Viele Bands und Labels nutzen diese Vorteile mittlerweile zu ihrem Vor-, manchmal aber auch zu ihrem Nachteil. Man ist bequemer geworden.

Man hat manchmal den Eindruck, die Globalisierung und das „globale Dorf“, die jeden Fleck der Welt an uns heranrücken, führen in Wahrheit eher Regionalisierung. Zumindest ist mir bei vielen Bands aufgefallen, dass sie sich eher in ihrer Region vernetzen, wohingegen früher die Region nicht ganz so eine starke Rolle spielte und die Bands viel Tapetrading-, Band- und Fanzine-Beziehungen auf der Welt hatten. Siehst du das ähnlich?

Es gibt hier sicher deine Theorie zum einen – und hier erinnere ich nochmal an unser Forum „Rhein Neckar Metal.com“, denn genau auf solchen Plattformen betreibt man aktiv und erfolgreich seit Jahren regionale Vernetzung. Genauso kenne ich aber viele Bands, die diese sich selbst auferlegten Ketten sprengen wollen und via Facebook oder Myspace Kontakten auch Netze ins Ausland pflegen, aus- und aufbauen.

Du hast mal erwähnt, dass ihr schon mehrere Angebote von „größeren“ Labels hattet und immer abgelehnt habt. Warum? Wollt ihr nicht, dass die Leute eure Musik hören? Sollen wir das Interview abbrechen? 😉

Nun diese Angebote waren stets an Bedingungen geknüpft welche wir nicht erfüllen konnten und wollten. Ich genieße meine Freiheiten und oft wurde dir genau dieses genommen. Auch wurden immer engere Netze gestrickt ( zweimal im Jahre touren, alle zwei Jahre eine neue Platte etc.), welche sich im Rahmen unserer Jobs und Ausbildungen/Studien einfach nicht bewerkstelligen ließen. Wir sind eine sehr ehrliche Band und daher könnten wir einen solchen Vertrag nie abschließen. Es gab auch einfach sehr unsympathische große Labels, die zu diesem Zeitpunkt mit äußerst unseriösen Mitteln ihren Wohlstand finanzieren konnten. Oft hatte ich aber auch nicht die passenden Musiker zum richtigen Zeitpunkt um mich und konnte gar nicht auftreten oder repräsentativ werden und musste daher ablehnen.

Gibt es ausländische Bands, zu denen ihr Kontakt habt?

Eine ganze Menge sogar, ich pflege meine Freundschaften und daher bin ich noch immer sehr aktiv im Ausland. Sei es in Frankreich, England, Norwegen oder den USA, Brasilien, Japan oder Australien. Wir sind eine sehr weltoffene Band.

Gibt es T-Shirts von euch?

Natürlich, jede Band hat doch T-Shirts. Aktuell haben wir 2 Motive und beim Release der Full Length CD noch eins mit Album Motiv. Vielleicht gibt´s noch Brasilien Tourshirts.

Wie siehst du die derzeitige Death Metal-Szene (weltweit, Deutschlandweit, regional)?

Die aktuelle Szene ist sehr verschachtelt und mannigfaltig. Nie gab es mehr Bands und noch nie gab es bessere Musiker (Obscura)! Andererseits kann ich nicht mit allen Bands und Entwicklungen mithalten oder mich gar identifizieren. Es geht wohl gerade wieder ein Trend in Richtung technische Frickel Bands und in noch deutlichere Extreme. Auch in Deutschland oder in Russland lebt diese Welle auf und immer wieder überraschen mich neue noch bessere Bands. Regional ist es immer wieder erstaunlich welche Möglichkeiten sich auftun und welches Potential in vielen der Bands steckt!

Welches Album – egal ob alt oder neu – würdest du jedem empfehlen?

Meine Empfehlung für ein Death Metal Album wären entweder Morbid Angel “Altars of Madness“ oder Death „Spiritual Healing“.

Last Words?

An diese Stelle bedanke ich mich bei allen Infernal Noise Mag Lesern für die Unterstützung und für die Geduld und natürlich auch bei Infernal Noise für das Interesse. Ich hoffe alle bleiben ihrer Rolle treu und unterstützen weiterhin die Underground Metalszene mit ihrem regen Interesse an kleinen Releases, Konzerten, Mags und am positiven Geschehen welches, wir seit Jahren hier bei uns verbuchen können.

Besten Dank!

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