Tombthroat

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Es gibt Bands, bei denen das Infernal-Noise-Motto „music from beyond the grave“ mehr ist als nur morbide musikalische Standortbeschreibung. Und so ist es leider auch im Falle von TOMBTHROAT, einem Haufen von vorderpfälzischen Verrückten, der sich in 19 Jahren mit recht brachialem Death Metal eine kleine internationale Fangemeinde erspielt hatte. 2015 war leider Schluss, was in diesem 2012 geführten Interview aber noch nicht abzusehen war. Aber selbst wer keine Zeit Zukunft hat, der hat zumindest eine Vergangenheit, über die uns der auskunftsfreudige Gitarrist Björn Köppler jetzt berichtet.

Man sollte es kaum glauben, aber Tombthroat gibt es nun seit knappen 16 Jahren [Stand 2012 wohlgemerkt. – red]. Wir hatten so einige Besetzungswechseln in dieser Zeit. Alex (Schlagzeug) und ich (Gitarre) haben die Band damals 1996 gegründet. Einige sehr gute Leute (menschlich, wie auch musikalisch) sind da leider auf der Strecke geblieben. Allen voran Evil Ass, der über 10 Jahre unser Sänger war.

Peter ist nun auch schon seit über 10 Jahren dabei und hält es nach wie vor in unserem Sauhaufen aus. Volker war schon mal in der Band, musste dann aber aufgrund seines Studiums, und den damit verbundenen Zeitproblemen, eine Pause einlegen. Nun ist er aber auch seit gut fünf Jahren wieder dabei. Evil Ass‘, schwer zu ersetzenden, Platz hat Ralf eingenommen. Ralf war schnell drin. Sowohl menschlich als auch musikalisch hat das sofort funktioniert.

Klar gibt es auch bei uns Streit. Eine Band ist wie eine Ehe, und in Ehen läuft es ja bekanntlich nicht immer besonders rund, und wir haben alle glücklicherweise die Eier (mal mehr, mal weniger), um damit umgehen zu können… Aber es ist gut so, wie es momentan ist und es funktioniert!

Also die Band besteht aus Ralf Keitel (Gesang), mir an der Gitarre, Peter Hildenbrand an der zweiten Gitarre, Volker Rietz am Bass und Alexander Wenz am Schlagzeug.

… um jetzt mal so ungefähr die Reihenfolge wieder zu geben, die man von vor der Bühne aus sieht…

Was war der Grund, diese Band zu gründen?

Der Grund diese Band zu gründen?Nun, Alex und ich haben damals vor ca 18 Jahren angefangen zusammen Musik zu machen. Wir sind mit Iron Maiden, Metallica und dergleichen aufgewachsen. Das war auch der Auslöser für uns, Musik zu machen. Als wir dann aber anfingen, das war so die „große“ Zeit des Black Metals. Wir waren jung und extrem fasziniert von dieser Art der Musik und der Atmosphäre, die diese ausstrahlte, und hatten uns vorgenommen ähnliche Musik zu machen. Also haben wir eine Band gegründet. Ein weiterer Kumpel spielte noch mit, und los ging es… Wir nannten uns damals ANGMAR. Heute wäre uns der Name aufgrund des „Herr der Ringe Overkills“ wohl eher peinlich, damals war das aber für uns DER Name für eine Black Metal Band überhaupt. Danach gab es auch da einige Besetzungs- wie auch Namenswechsel. Plötzlich hieß die Band BAAL und es kam ein Keyboarder dazu… Aber bevor es richtig los gehen konnte, gab es Streit (ich weiß nicht mal mehr worüber) und Alex und ich wurden aus unserer eigenen Band geschmissen. Da wir beide aber eh keinen Bock mehr auf den Kindergarten hatten, haben wir direkt angefangen, etwas neues zu machen. Wir haben ein paar Wochen herum probiert und haben uns allerlei Namen gegeben… Schnell haben wir damals ein paar Freunde einspannen können und daraus wurde dann Tombthroat. Grund? Weil wir Musik machen wollten. Da muss man nicht lange drum herum philosophieren. Wir wollten Musik machen, die wir selbst gerne hören und mögen…

Wart ihr vorher schon in anderen Bands aktiv?

Jau, wie vorher erwähnt, waren Alex und ich vorher zusammen in einigen Bands aktiv. Angmar, Baal, Banal (jugendlicher Trotz), Necrophallus oder auch Nuclearmageddon um mal ein paar Namen zu nennen. Peter hat bei z.B. Te Tenebrarum (später Pure Evil) und in einer Reggae-Band gespielt. Volker war bei den Black Metallern Bloodmoon und der Indi Band Shamrock involviert und Ralf war Sänger bei Somnifere und Mortified..

Wieviele Tonträger habt ihr schon veröffentlicht (Demos, CDs, 7″)?

Wir haben bisher sieben Verderbnisse auf die arme Welt los gelassen. Da wäre unser Demo von 1999, das den einfallsreichen Namen „9999“ trägt, weil wir das tatsächlich am 9.9.1999 aufgenommen haben. Das gab es auf Kassette, handnummeriert auf 50 Stück. Zu unserem eigenen Schock, gab es tatsächlich Labels und Mailorder, die das haben wollten und es verkauft haben… Aber (zum Glück für uns und die Welt) ist es bei diesen 50 Exemplaren geblieben.

2000 haben wir uns dann an unser erstes Album gewagt. Wir waren damals zu viert. Evil Ass, Alex, ich und Wolle, der kurz danach zu Fragments Of Unbecoming abgewandert ist…. Wir waren damals noch sehr unerfahren. Die Produktion ist leider nicht wirklich gelungen. Aber einige gute Ideen sind da zu hören, es war ein guter Start…

2002 kam dann die EP „The Revenge Of Evil“. Diese haben wir kurz nach dem Einstieg von Peter, der damals noch den Bass gespielt hat, aufgenommen. Peter hat kurz danach die zweite Gitarre übernommen…

2003 standen wir dann zwar immer noch ohne Bassist da, haben aber trotzdem die EP „Slaughtered, Cutted And Pissed On“ aufgenommen. Ich habe dann den Bass bei den Aufnahmen übernommen. Wir wollten einfach nicht warten, bis wir einen passenden Basser gefunden haben.

Diese EP war in vielerlei Hinsicht ein Umschwung. Die Musik wurde extremer, das Artwork wurde extremer, wir wurden irgendwie extremer. Ich kann nicht mal mehr sagen, wieso… Tombthroat wurde so langsam ernster, nachdenklicher… Nicht komplett, aber der Grundstein war gelegt….

2004 wollten wir es nochmal genau wissen und haben die beiden EPs neu eingespielt. Ein paar neue Lieder dazu und fertig war unser zweites Album das den Namen „Out Of The Tomb“ trägt. Das haben wir selbst pressen lassen und haben damit die Plattenfirmen genervt… Und hoppla???? Wir bekamen einige Angebote. Eines davon haben wir dann auch angenommen und die Platte wurde 2005 weltweit veröffentlicht. 2 Jahre später gingen wir wieder ins Studio um das neue Album „Bloodred History“ auf zu nehmen. Alles wurde etwas anders; wir haben professioneller gearbeitet und schneller, technischer war die Platte teilweise auch. Auch einige Experimente in Form von sehr melodischen Liedern sind darauf zu hören. Das ganze wurde dann als Digipack wieder über dieselbe Plattenfirma veröffentlicht, die auch schon „Out Of The Tomb“ in der Zweitauflage unters Volk gebracht hat…

Jetzt haben wir unser neues Album „Eden Apocalypse“ aufgenommen und die Platte ist momentan in Rom im 16th Cellar Studio (u.a. Vomit The Soul, Hour Of Penance, Inherit Disease, Fleshgod Apocalypse) für den Mix und das Mastering. Wird also alleine schon vom Sound her ein sehr fettes Ding! Musikalisch kann man fast sagen, dass wir uns hier etwas „zusammen gerissen“ haben. Die Lieder sind einfach direkter, auf den Punkt komponiert, wenn auch wieder ein paar eher ausgefallenere Sachen dabei sind; und wir haben wieder etwas mehr Grind in unseren Sound integriert. Ich denke, dass wir trotz der durchgehenden 220 bpm, eine sehr abwechslungsreiche Platte kreiert haben, wozu, nicht zuletzt, auch unsere Freunde und Gastmusiker Dave Suzuki (Gitarre), Mario Petrovic (Gesang/Deadborn) und Daniel Baeriswyl (Gesang/Amagortis) beigetragen haben. Wir sind sehr stolz auf diese neue Platte und freuen und sehr auf die Veröffentlichung…

Was bedeutet Death Metal für euch? Ist es nur Musik oder hat es auch etwas mit der Gesamtatmosphäre zu tun (Artwork, Texte, etc.)?

Nun, was bedeutet Death Metal für uns… Das ist eine sehr gute Frage. Ich kann da ja eigentlich nur von mir persönlich ausgehen, aber ich weiß, das für jeden in der Band, diese Musik, in ihren verschiedenen Ausformungen, ein wichtiger Teil des Lebens ist. Wir alle lieben diese Musik. Jeder auf seine eigene Weise. Als wir damit anfingen, war Death Metal erst mal „krass“ und „extrem“, heute sehen wir darin aber eben nicht nur das, sondern auch, dass es hier um ernsthafte Musik geht. Und diese kann wirklich gut sein. Ich möchte keine Namen nennen, aber es gibt leider einige Bands, die diese Musik in den Dreck ziehen, aber ein Teil der Szene weiß, dass Death Metal weitaus mehr ist als nur primitives 3-Akkord-Gestümper mit schlechten Texten. Es freut mich immer wieder sehr, auch sehr junge Bands kennen zu lernen, die das noch wissen und beherzigen.

Und wenn ich von mir persönlich ausgehen soll: Klar, gehört für mich das komplette Konzept dazu. Wie du meinst, Texte und Artwork müssen einfach passen. Es gibt viele sogenannte „Fun-Death-Metal“ Bands. Gut, sollen sie machen. Aber für mich persönlich, hat Death Metal an sich nichts mit „Fun“ zu tun. Klar haben wir Spaß mit der Band. Meistens sogar mehr als uns gut tut. Aber Death Metal ist NICHT lustig! So konservativ das auch klingen mag… Authentizität gehört, für mich persönlich, dazu.

Die ersten Bands aus dem Bereich Black-Death-Thrash Metal wie Venom, Sodom, Hellhammer, Kreator, Destruction, Possessed, Mantas/Death befassten sich in ihren Texten mit Satanismus, Tod, Zombies, etc, also mit „sinistren“ Themen. Du hast einmal erwähnt, dass du früher eine Black Metal Band namens Baal hattest. Habt ihr noch irgendwelche Anknüpfungspunkte zum BM. Eure Texte bewegen sich doch ebenfalls in finsteren Gefilden, oder?

Nun, ich kann und will nicht viel zu unseren alten Texten sagen, aus Respekt vor Evil Ass, der den Großteil (zum Ende hin alle) geschrieben hat. Nur so viel: Sie waren alle weitaus persönlicher und tiefgründiger, als es auf den ersten Blick den Anschein machte. Seine, wie auch die Texte unseres ersten Sängers Dirk, waren sehr direkt verfasst. Alles was ich damals verbrochen habe an Texten, würde ich heute natürlich nicht mehr so schreiben.

Mittlerweile schreibe ich die Texte für Tombthroat wieder, in Zusammenarbeit mit Dirk, der der englischen Sprache einfach weitaus mächtiger ist, als ich, und mir dabei eine große Hilfe ist.

Ja, ich habe mit Alex (unserem Drummer) damals zusammen in Black Metal Bands gespielt. Das war ca 1994 bis 1995. Damals hatte ich mit den Texten aber nur sehr wenig zu tun. Die Texte von Tombthroat sind aber nicht satanistisch. Auch nicht satanisch. Waren sie auch nie. Klar, benutze ich teilweise auch okkulte Themen und Begriffe, und ich bediene mich auch sehr gerne bei der Bibel. Jedoch nur als Metaphern. All meine Texte sind metaphorisch. Wenn sich jemand die Mühe gibt, und diese auch liest, wird er sehr schnell verstehen, was ich damit ausdrücken will.

Für mich gehören Texte, die zum Nachdenken anregen, zum Death Metal dazu, auch wenn ich weiß, dass viele diese nicht mal lesen werden….

„Finster“ könnte man unsere Texte schon nennen. Das liegt aber nur daran, dass diese von dem Menschen an sich und seiner Bedeutung und seinem Belang handeln….

Was sind eure musikalischen Einflüsse und was kommt -selbst wenn es sich nie in eurer Musik wiederspiegelt- ansonsten auf den Plattenteller?

Man wird wohl immer beeinflusst, ob man sich das nun selbt eingestehen will oder nicht. Bewusst lassen wir uns nicht beeinflussen. Höchstens im Stile von „Ich habe mal wieder Bock etwas mehr in die Grind-Richtung zu gehen beim nächsten Lied“ oder es fallen Sprüche wie „Sollen wir das wirklich so drin lassen? Klingt irgendwie seltsam“ – „Ach was, das haben XY damals auch so gemacht, klingt doch gut….“.

Wir alle in der Band lieben den Metal und all seine verwandten Genres, seit sehr langer Zeit. Jeder hat natürlich so seine Vorlieben. Alex steht sehr auf Crust und Grindcore. Aber natürlich auch auf den alten Death Metal oder Extremgeboller a la Brodequin. Aber er ist auch jemand der alten Schule und sagt zu alten Maiden, Slayer, Megadeth oder auch Helloween Scheiben niemals nein. Peter hat keinerlei Berührungsängste oder gar Probleme mit dem modernen Sound, wie ihn zum Beispiel Despised Icon, oder Whitechapel. Aber natürlich nicht ausschließlich. Pantera sind auch eine seiner Lieblingsbands und gediegenere Sachen wie Down, Black Label Society oder auch Long Distance Calling landen bei ihm des öfteren im CD Player. Ralf macht keine Unterschiede zwischen Old School, Moderne, Brutal, Technical oder was auch immer. Was ihm gefällt, wird gehört. Ob das nun gestandene alte langhaarige Kerle, oder 15 jährige, die mehr Tattoos als wir alle zusammen und Ohrläppchen bis zu den Knien haben, sind. Volker legt auch sehr gerne mal eine Stoner Rock Platte auf. Und ich… naja… ich höre wirklich alle möglichen Sparten des Metals und des Rocks. In der Band bin ich wohl der einzige, der auch dem Black Metal sehr viel abgewinnen kann. Aber auch schmusige Musik wie Alcest läuft bei mir sehr sehr oft. Ich kann aber auch eine Gotthard Platte direkt nach einer Brutal Truth Platte hören. Ich lege eine Maiden Scheibe auf und direkt danach Necrophagist. Porcupine Tree gefolgt Disgorge. Helloween und Suffocation. AcDc und Testament. Spock’s Beard und Insect Warfare. Ich bin in allen Sparten der Gitarrenmusik zu Hause. Und darüber hinaus. Als ich noch einen TV-Anschluss hatte, habe ich mir auch sehr gerne Jazz Konzerte auf SRW3 angesehen. Und das ein oder andere Stück von z.B. Grieg oder Beethoven kann man bei mir auch mal hören. Zusammengefasst kann man sagen, dass ich einfach alles an Musik höre, was gut gemacht ist. Wir alle in der Band sind nun keine Teenager mehr (zumindest laut unseren Personalausweisen) und haben kein Problem damit zu zugeben, dass wir nicht nur Metal, Metal, Metal hören…. Gute Musik ist gute Musik!

Wie viele Konzerte habt ihr bereits gegeben und was bedeutet Livespielen für euch?Mit welchen Bands habt ihr schon gespielt und mit welcher würdet ihr gern auf der Bühne stehen? Wart ihr schon einmal Teil einer europaweiten Tour (ihr wart ja schon in Osteuropa)?

Ohje, wie viele Konzerte? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich kann dir genau sagen wann unser erstes Konzert statt fand. Das war 1997 so ziemlich genau ein Jahr nach der Bandgründung in Ludwigshafen. Es waren so einige seitdem. Die Bands aufzuzählen, mit denen wir schon gespielt haben würde den Rahmen hier wohl sprengen, denn das waren auch sehr sehr viele. Es waren viele gute, aber auch viele schlechte dabei…

Und mit wem wir gerne auf der Bühne stehen würden, kann ich dir so direkt auch nicht beantworten. Diese Vergötterung der Bands war eh nie unser Ding, also gibt es da nichts, was wir uns so wünschen, dass es erwähnenswert wäre.

Klar, mit Iron Maiden mal zusammen zu spielen, wäre eine tolle Sache. Aber erstens würde deren Publikum (zu dem man einen Großteil von uns natürlich auch zählen kann) uns hassen und zweitens wäre das auch ein sehr seltsames Konzert, hehe….

Europatourneen sind wir auch schon gefahren. Zum Beispiel als Co-Headliner von Vital Remains zweimal. Das waren schon schöne Zeiten, wenn auch nicht alles immer so gelaufen ist, wie man sich das gerne wünschen würde. Missen möchten wir diese Erfahrungen aber sicherlich nicht. Osteuropa ist für jede Band in unserem Genre wohl das Nonplusultra! Slowenien zum Beispiel. Die Bude war so dermaßen voll und die Leute haben uns abgefeiert, als ob wir Metallica oder Wasweißichwas wären. Eine kleine Underground Death Metal Band kommt nach Slowenien, denkt an nichts Gutes und an nichts Böses und da waren Leute, die selbstgemachte Tombthroat Shirts an hatten, die Fahnen geschwungen haben (ok, eine davon war eine österreichische, aber macht ja nix hehe) und ihren kompletten Monatslohn ausgegeben haben, um sich unsere CDs und Shirts zu kaufen. Einige kamen nach unserem Auftritt zu uns um sich die CDs signieren zu lassen und ich habe mich mit den Jungs unterhalten und sie gefragt ob sie nicht ganz dicht seien. Mir war das alles sehr peinlich, ehrlich gesagt, und ich habe allen, die mich angesprochen haben, mindestens ein Bier ausgegeben aus Scham, dass sie ihr Erspartes für uns ausgegeben haben. Das rührt mich heute noch sehr, und wir hoffen alle, bald mal wieder dort spielen zu können!

Aber auch Italien und Spanien waren grandios. Die Leute kannten uns tatsächlich und einige sind auch nur wegen uns angereist. Mir ist das immer noch absolut ein Rätsel, da ich selbst eher wegen Vital Remains, und nicht wegen einer kleinen deutschen Underground Band zu diesen Konzerten gegangen wäre.

Es waren einfach schöne Zeiten, die uns innerhalb der Band sehr bewegt und auch weiter zusammengeschweißt haben.

Seit 2007 waren wir allerdings nicht mehr auf Europatour. Wir sind zwar kleiner Headliner Tourneen gefahren, oder auch z.B. letzten Jahr die Minitour mit den Grieche Mass Infection, aber was wirklich „großes“ hatten wir seitdem nicht mehr. Mal sehen was noch so kommt, wenn unsere neue Platte erscheinen ist…

Seid ihr eher eine regionale Band oder kommen eure Fans auch von weiter her? Aus dem Ausland?

Wieder eine Frage, die ich dir kaum beantworten kann. Ich kann dir nicht mal sagen, ob wir „Fans“ haben. Wenn wir in der Region spielen, ist mittlerweile gut was los. Das war nicht immer so. Auch Leute von außerhalb sind oft zu Besuch. Da wir aber ja nie alleine auf die Bühne gehen, kann ich dir echt nicht sagen, ob die Leute nun explizit wegen uns da sind oder wegen der anderen Bands an diesem Abend. Aber wir können mit Stolz behaupten, dass wir schon länger nicht mehr vor leeren Rängen spielen müssen. Die Leute haben Spaß mit uns und wir haben dadurch auch Spaß mit ihnen…

Das Internet hat die Metalszene ganz erheblich verändert. Früher musste man an noch IRCs ins Ausland schicken, um irgendwann mal ein Demo, etc. zu bekommen. Mit Youtube, Myspace, Soundcloud ist jedes Lied nur einen Mausklick entfernt. Findest du diese Entwicklung gut oder schlecht?

Ja und nein. Klar hat das alles Vorteile gebracht. Eben die Bequemlichkeit. Man steht nicht mehr stundenlang im Plattenladen wie damals und hört dort in die Platten rein, sondern zu Hause ganz gemütlich am Rechner. Bei der extremen Flut der Veröffentlichungen heutzutage kommt man nicht mehr drum herum. Die alten Hasen bringen nur noch halbgaren Schrott raus und es gibt zu viele junge, als dass die Plattenläden von allem eine Platte im Laden stehen haben können. Trotzdem vermisse ich die Zeiten. Eben dieses Neuentdecken im Plattenladen direkt. Dieses „Wow, geiler Scheiß, nehme ich direkt mit“. Heute muss man in den meisten Fällen vorher dort anrufen und fragen ob sie die auch haben. Und in meinem Fall ist das selten so. Liegt vielleicht auch daran, dass ich immer noch einen Tacken tiefer im Underground grabe. Mal ganz ehrlich, wer braucht heute noch die sechshundertste Platte einer Band, die nur noch schlechte Kopien ihrer Glanztaten veröffentlicht? Also ich doch eher nicht. So was kaufe ich mir dann erst, wenn es sehr günstig irgendwo rausgeschmissen wird um die Sammlung zu vervollständigen. Aber diese Platten wird man im Laden finden. Perlen muss man da suchen. Das ist kein Vorwurf, ganz sicher nicht, wie zur Hölle soll ein Plattenladen da auch mitkommen bei dieser extremen Überschwemmung.

Und da ist das Internet auch mit schuld. Jeder kann seinen Schrott sofort „unters Volk“ bringen. Keine drei Platten im Regal, aber schon fünf eigene bei MySpace oder Soundcloud online gestellt. Passt das dann auch noch zum momentanen Trend, wird es auch ganz sicher ein Label geben, das die Platte presst (kostet heute ja kaum noch was). Metal ist schon lange im Kommerz versunken. Alles sehr sehr schnelllebig, Trends lösen Trends ab, schneller als unsereins ein Lied schreibt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde dass mir das egal sei. Ich sehe das wirklich mit Sorge. Viele Bands und auch Festivals sind mittlerweile so dermaßen auf einem BILD/RTL II Niveau, dass mir das Herz blutet. Die wirklich guten verrotten im Proberaum und auf kleinen JUZ Bühnen. Warum? Weil sie anspruchsvolle Musik kreieren und spielen…. Alles sehr schade und ich hoffe darauf, dass die Leute bald endlich wieder aufwachen…

Man hat manchmal den Eindruck, die Globalisierung und das „globale Dorf“, die jeden Fleck der Welt an uns heranrücken, führen in Wahrheit eher Regionalisierung. Zumindest ist mir bei vielen Bands aufgefallen, dass sie sich eher in ihrer Region vernetzen, wohingegen früher die Region nicht ganz so eine starke Rolle spielte und die Bands viel Tapetrading-, Band- und Fanzine-Beziehungen auf der Welt hatten. Siehst du das ähnlich?

Ich denke, das liegt einfach daran, dass es damals sehr sehr viel weniger Bands gegeben hat. Wenn man da Kontakt zu anderen haben wollte, musste man zwangsläufig in die Ferne rufen. Heute gibt es ca 1000 % mehr Bands selbst im kleinsten Umkreis und die Kontakte sind meist auch auf kollegial-freundschaftlicher Basis. Einige der alten Hasen von damals gibt es noch, viele haben ihre Band aber aufgelöst und sind auch privat nicht mehr zu sehen. Also haben sich die Kontakte zwangsläufig etwas „regionalisiert“. Aber unsere Kontakte reichen bundesweit. Wir haben viele Bands kennen gelernt in der ganzen Zeit und zu den meisten haben wir immer noch gute Kontakte.

Aber ich denke dass die lokale Szene einfach gestärkt wurde und als lokale Band, hat man es natürlich leichter, da die Unterstützung in der eigenen Region meist blind gegeben ist. Das erleichtert einiges, ist auf Dauer aber nicht gut für eine Band, die „mehr“ will…

Aber es gibt auch hier junge Bands, die nicht nur menschlich weit vorne sind, sondern auch musikalisch zeigen, dass man keine 20 Jahre im Geschäft sein muss. Z.B unsere Freunde von Spheron, die uns immer wieder auf’s neue große Augen, und Tränen in eben diesen, verpassen. Der Einsatz und das Können dieser jungen Leute, ist die Zukunft unserer geliebten Musik!

Ihr habt ja ein neues Label. Wie kam das zustande und wie war das vorher?

Zu den Dingen vorher möchte ich lieber nichts sagen. Ich hoffe du verstehst das.

Der neue Deal kam eigentlich sehr ungewöhnlich zustande. Paul von Blasthead Records, ein sehr junges Label aus Kanada, hat das Coverartwork unserer neuen Platte auf der Seite des großartigen Künstlers Marco Hasmann (Italien) gesehen und war davon so begeistert (wie wir natürlich auch) und hat uns kontaktiert und wollte ein paar Demos unserer neuen Lieder hören. Er kannte schon die älteren Sachen, die ihm ebenfalls schon gefielen. Als er das neue Zeug gehört hatte, bot er uns direkt einen sehr guten Vertrag an, den wir nach kurzem Überlegen auch angenommen haben.

Wir dachten uns einfach, dass wir es mal anders versuchen sollten, da das vorher nicht unseren Vorstellungen gerecht wurde. Blasthead Records stehen voll hinter uns und unserer Musik und bieten uns viele Dinge, von denen man vorher nur träumen konnte. Die nutzen wir natürlich auch komplett aus um eine fette Platte auf die Fans von brutalem Death Metal los zu lassen. Angefangen vom Cover, über die Studiowahl bis hin zum Merchandise.

Gibt es ausländische Bands, zu denen ihr Kontakt habt?

Klar, da gibt es einige. Zu den Bands, mit denen wir auf Tour waren, wie z.B. Vital Remains, Godphobia aus Schweden oder auch Memorial aus Dänemark, haben wir hin und wieder noch Kontakt. In Zeiten von Facebook und so, ist das alles ja absolut kein Problem mehr. Auch zu unseren Freunden von Requiem und Amagortis aus der Schweiz ist der Kontakt nie abgebrochen. Und da gibt es noch einige mehr. Der Underground lebt von solchen Freundschaften und deswegen pflegen wir diese so gut es eben geht.

Habt ihr aktuelle Shirts?

Momentan sind unsere Shirts tatsächlich alle ausverkauft. Neue sind aber schon in der Planung und es wird nicht mehr lange dauern, bis diese auch erhältlich sein werden. Es wird außer dem Covermotiv, noch ein bis zwei andere Designs geben. Da dürfte dann für jeden Geschmack etwas dabei sein. Die ersten Entwürfe sehen schon mal großartig aus!

Brandneu sind aber unsere „Hooded Zipper“, auf denen vorne das Logo und hinten das Cover unserer neuen Platte zu sehen ist. Das Ding war zwar als reine Vorbestellungsaktion geplant, aber wie das so ist, reden die Leute viel, aber wenn es ums bezahlen geht, gibt es die tollsten Ausreden. Demnach haben wir da auch einige übrig. Wer also noch einen möchte, sollte sich beeilen….

Wie siehst du die derzeitige Death Metal-Szene (Weltweit, Deutschlandweit, regional)?

Death Metal is schon lange nicht mehr das, was es mal war. Wenn ich mir so ansehe, was heute unter der Bezeichnung „Death Metal“ gehandelt wird, wird mir teilweise schon übel. Peinliches Drei-Akkord-Geschrubbe von kunstblutbeschmierten Kettensägen schwingenden Typen, vor denen Mädels knien, die sich dadurch wohl eine Modelkarriere erhoffen oder was auch immer, wird als Death Metal angepriesen. Nach Abba klingende Popbands mit tiefer gestimmten Gitarren werden als Death Metal verkauft. Es ist einfach nicht mehr das, was es sein soll.

Da aber auch der Death Metal mittlerweile im Kommerz angelangt ist, haben solche Bands natürlich auch ihre Fans. So wie die BILD Zeitung Leser, RTL 2 Zuschauer und das Metalfest oder Wacken Gäste hat.

Klar, gibt es auch noch viele alte Bands, aber sind wir mal ehrlich: Alles was da momentan so kommt, ist halt nichts weiter als blasse Kopien alter Glanztaten. Wird aber natürlich gekauft, weil, sind ja die „Helden“.

Aber es gibt auch wirklich gute junge Bands, die noch wissen was Death Metal bedeutet. Eben mehr als Spaß und Saufen. Anspruchsvolle Musik und tiefgründige Texte. Leider gehen diese Bands im Wust des Kommerzes unter, obwohl sie mehr Aufmerksamkeit verdient haben…

Aber ich bin guter Dinge, dass das alles irgendwann wieder anders wird…

Welches Album – egal ob alt oder neu – würdest du jedem empfehlen?

Im Metalbereich? Nun, Maidens „Number of the Beast“ natürlich, „Pierced from within“ von Suffocation und „Altars of Madness“ um die beiden besten Death Metal Platten aller Zeiten zu nennen. Ansonsten aber auch mal was von den Beatles, die einfach großartige Musik kreiert haben.

Und was neueres angeht: die aktuelle Platte von Visceral Disgorge ist ein dickes Monster geworden, und die neue Abominable Putridity scheint auch famos zu werden!

Last Words?

Jau, ich danke Dir für dieses Interview und die damit verbundene Unterstützung…

Ansonsten: Schmeißt eure mp3 Player weg und kauft euch wieder Vinyl und CDs! Geht wieder auf die richtigen Konzerte und nicht auf die peinlichen Kommerzfestivals!

Ihr habt’s gehört, Leute!

Und auch wenn Tombthroat den Weg allen Fleisches gegangen sind, sollte das für Freunde extremen Death Metals kein Grund sein, sich nicht sofort durch ihr Vermächtnis in Form ihrer Diskographie zu wühlen.

„9999“ (Demo, 1999), „Evil Fucking Zombie Riot“ (Album, 2001), „The Revenge of Evil“ (EP, 2002), „Slaughtered, cutted and pissed on“ (EP, 2003), „Out of the Tomb“ (Album, 2005), „Bloodred History“ (Album, 2007), „Eden Apocalypse“ (Album, 2012)

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