Goatfuneral

Goatfuneral - Bastion

GOATFUNERAL sind eine räudige Black Metal Band, bestehend aus Isaac Goaten (Gitarre, Bass, Keyboard and Programming) und von Blutsteyn („all intolerant Funeral Vocals“). Ihr seht also schon, dass die beiden mit Keyboards nicht unbedingt dem klassischen Metal-Line-Up entsprechen. Wer aber denkt, GOATFUNERAL seien eine typische Symphonic Band im Stile bekannterer Genrevertreter, der irrt. GOATFUNERAL benutzen weder Kitsch noch Gleitcreme, sondern kommen trocken und direkt zur Sache…

Erzählt mal ein bisschen über euch. Woher kommt ihr und seit wann gibt es euch? Gab es früher mal andere Mitglieder und was waren die Beweggründe, die Band ins Leben zu rufen?

Isaac: Wir kommen aus zwei kleinen Orten in Mittelthüringen. Wann wir damit begonnen haben, Goatfuneral in „ernsthafte“ Bahnen zu lenken, weiß ich nicht mehr genau, es müsste aber etwa 2006 gewesen sein. Wir kennen uns eine halbe Ewigkeit und musizieren schon fast zwanzig Jahre gemeinsam. Black-Metal war dabei immer eine Konstante, sodass wir irgendwann der Meinung waren, wir müssen diesen Einfluss fokussieren.

Was die Besetzung angeht, bin ich mir selbst nicht so sicher, zwar sind von Blutsteyn und ich „offiziell“ die einzigen festen Mitglieder, der „Gast“ am Schlagzeug ist aber auch schon von Anfang an dabei. Ich glaube, diese Dinge spielen bei einer Band wie Goatfuneral auch keine Rolle °lach°

Ah, ihr benutzt also keinen Drumcomputer („programming“)?

Isaac: Nein, das „programming“ bezieht sich auf die Keyboards, die Schlagzeugparts aller Stücke sind gespielt.

GF - Bandfoto

Im Underground wird oft spekuliert, dass Roth und Yantit von Eisregen bei euch dabei sind oder es sich bei euch beiden gar um dieselben handelt. Stimmt das? Welche Beziehungen habt ihr zu Eisregen?

Isaac: Dazu sage ich nichts. [Mittlerweile ist klar, dass Blutkehle alias Michael Roth von Eisregen hinter den Vocals steckt. Ob er aber auch schon als von Blutsteyn auf den Veröffentlichungen gesungen hat, kann nicht abschließend geklärt werden. Die Metal Archive schweigen sich aus… – red.]

Wer waren eure musikalischen Vorbilder?

Isaac: Das mit den Vorbildern ist so eine Sache. Als wir (vor etwa 20 Jahren) damit begannen, Musik zu machen, hatten wir welche, und diese kamen ganz klar aus dem Black (Darkthrone, Burzum, Emperor) und Death Metal (Autopsy, Pungent Stench). Mit der Zeit und unserem Tun in diversen Bands wurden sie überflüssig, da man ein Gespür entwickelt, sich selbst zu folgen und einem bewusst wird, wie die eigene Musik zu klingen hat.

Welche Platten haben euch zum Black Metal gebracht?

Isaac: Bei mir waren es “Possessed” von Venom und “Seven Churches” von Possessed.

Wart ihr vorher schon in anderen Bands aktiv? Oder habt ihr jetzt noch andere Projekte am Laufen.

Isaac: Beides ist der Fall, spielt aber keine Rolle, hier geht es um Goatfuneral.

Hört ihr privat auch andere Musik und wenn ja was?

Isaac: v.B. hört „privat“ kaum noch Musik im herkömmlichen Sinne, er mag die (Horror) Filmmusik der siebziger und achtziger Jahre, wenn es bei ihm dann doch mal eine Band sein soll, greift er (fast immer) zu Autopsy oder Macabre. Ich bin musikalisch recht unvoreingenommen, da darf es neben Black/Death Metal auch gern mal etwas elektronisches (Laibach) oder ambientartiges (Mz 412, Der Blutharsch) sein.

Ihr seid ja eine satanische Band. Was bedeuten Satan und Satanismus für euch?

Isaac: Die Zeiten, in denen wir mit Blut und Büchern in den Wald gegangen sind, sind vorbei und ich möchte ebenso wenig abgenutzte Phrasen dreschen wie irgendetwas von einer „intellektuellen Geisteshaltung“ im Black Metal erzählen.

Das Titelstück „Bastion Lucifer“ bringt alleswas, ich dazu zu sagen habe, auf den Punkt.

Seid ihr der Meinung, dass satanische Musik nur Black Metal sein kann, oder gibt es auch andere Stile, die damit einhergehen könnten? z.B. Black Widow, The Devils Blood…

Isaac: Ich würde es nicht an einem Stil/Musik festmachen, da ich mir sicher bin, dass es wesentlich mehr Menschen gibt, die noch nie von „satanischer Musik“ gehört haben und trotzdem alle Kriterien eines „Satanisten“ erfüllen, als auch nur ansatzweise in Bands (egal welcher Richtung) zu finden sind. Im Gegenteil, ich denke, wenn man auf diesem Gebiet ernsthaft nach Antworten sucht, ist es besser einen großen Bogen um „Musik“ zu machen. In den meisten Fällen soll einfach etwas verkauft werden und da ist jedes Mittel recht. Gerade im Black Metal kann man das gut verfolgen. Eine Band veröffentlicht ein Demo (das kaum einen interessiert), sie versucht mit der „größten Schnauze“ etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen, lässt dabei keine Gelegenheit aus, zu betonen wie unkommerziell sie ist… und schwupp, kaum hat sie die Möglichkeit, wird der Sound „besser“ (man entwickelt sich ja weiter), die Konzerte/Ansprüche größer… am Ende bleibt ein Wacken-Headliner, über den man spricht wie über Nightwish oder Blind Guardian… Satanisten? °lach°

Dieses ganze okkult/retro Ding ist doch das beste Beispiel. Da sprießen unzählige von neuen Bands wie Pilze aus dem Boden, die Hundertschaften ihre Mitglieder sind um die 30 Jahre alt und man fragt sich „…was haben die vorher gemacht, den Teufel beschworen?“ Nein, sie haben sich im Proberaum mit ihren Freunden besoffen und Thrash Metal (oder sonst etwas) gespielt.

Kurzum, man verschwendet mit solchen Gedanken einfach nur seine Zeit.

Spielt ihr live? Wenn ja, was für Bands favorisiert ihr da? Wäre es egal, mit einer Band auf Tour zu gehen, die musikalisch völlig anders orientiert ist? Würden die Texte der Band eine Rolle spielen?

Isaac: Nein, ich finde, ernsthafter Black Metal gehört auf keine Bühne. In den meisten Fällen wirken die Aktiven einfach nur lächerlich, ganz egal, ob eine („Black Metal“) Band der Meinung ist, sie müsse sich live besaufen oder in Kutten eine Messe abhalten… dazu gibt es unter den Gästen nur drei mögliche, disqualifizierende Verhaltensmuster.

Zum einen (wie auf fast jedem Metal Konzert) ein paar fette Männer Anfang, Mitte vierzig, die, total besoffen, außer Stande sind, etwas anderes zu tun, als „Slayer“ zu brüllen. Dann, der nicht geringe Anteil von Jugendlichen um die zwanzig, ganz offensichtlich dazu verdammt, in der letzten Reihe mit böser Miene und verschränkten Armen das Shirt einer lokalen Demoband zu präsentieren. Und natürlich die Gruppe derer, die im Golf3 und 4 anreist. Sie parkt ihr Auto so nahe wie möglich am Eingang eines Clubs, um den anderen Besuchern die Power ihrer Anlage, ihre eigene Musik und die der „Onkelz“ zu demonstrieren. Die Demonstration geht dann unter Zuhilfenahme von sechs bis zehn Bier in die nächste Runde, in dem man sich vor der Bühne geschmackssicher im Singen von Landser-Texten gibt und dabei immer mal wieder zeigt, wie hoch der Weizen steht…

Wie auch immer… ich hoffe, die eigentliche Frage beantwortet sich damit von selbst.

Was verbirgt sich hinter Monokulturell Productions? Die scheinen neben euch, Panzerkreutz und Dies Fyck ja keine andere Band unter Vertrag zu haben. Steckt ihr da selbst dahinter?

Isaac: Richtig, „Monokulturell“ betreiben wir selbst und, ebenso richtig, es gibt dort keine weiteren Bands. Goatfuneral und Dies Fyck entwickelten sich fast parallel und wir kamen zeitgleich an einen Punkt, an dem wir uns neben den Aufnahmen natürlich auch mit damit befassen mussten, einen passenden Vertriebsweg/passendes Label zu finden.

Dabei spielten zwei entscheidende Faktoren eine Rolle. Zum einen waren wir uns einig, dass es weder von Goatfuneral noch von Dies Fyck etwas minderwertig Klingendes oder lieblos verpacktes geben würde, dass man Aufgrund seiner „mangelhaften Erscheinung“ nur noch als „true“ unters Volk bringen könnte. Auf der anderen Seite waren wir aber auch Realisten genug, uns von der Idee zu verabschieden, es gäbe ein Label dass unsere Vorstellungen von Sound und Layout teilen, sich dabei aber mit einer bestimmten Auflage abfinden würde. Wenn du mal eine MKP Veröffentlichung gehört/gesehen hast, weißt du wovon ich rede. Unter kommerziellen Gesichtspunkten ist es geradezu absurd, ein Album professionell zu produzieren, es in ein auf 1000 Stück limitiertes Digipack zu packen und am Ende für zehn Euro zu verkaufen.

So lag es nahe, Monokulturell Productions ins Leben zu rufen, immer darüber im klaren, dass MPK nicht mehr als ein „Hobby“ werden würde, wir dadurch aber auch die Freiheit haben, absolut unkommerziell zu arbeiten und jeden vermeintlichen „Gewinn“ in die folgende Produktion fließen lassen zu können. Und ganz nebenbei, sollten wir über eine Band stolpern, bei der die Musik und vor allem die Einstellung passt, ist es nicht so, dass wir sie nicht veröffentlichen würden.

Welche Beziehungen habt ihr zu Dies Fyck, mit denen ihr ja eine Split-CD gemacht habt?

Isaac: Feanarien (Dies Fyck) ist meine Freundin und damit einer der wenigen Menschen, mit denen ich eine Split-CD Machen würde °lach°

Eure CD „Bastion Lucifer“ ist ja sehr aufwendig gestaltet. Wie wichtig ist euch die „Verpackung“ eurer Musik. Ist es mehr als nur Verpackung?

Isaac: Ja, ich lege sehr viel Wert darauf. Alle graphischen Dinge entstehen parallel zur Musik und nehmen in ihrer Entstehung fast die gleiche Zeit in Anspruch. Ich sehe ein Album und seine „Verpackung“ als ganzes und das Layout dabei als zweite Möglichkeit, (neben der Musik) dem Hörer und Betrachter näher zu bringen, was wir zu sagen haben.

Das Gemälde auf dem Cover erinnert an Gustav Doré. Ist es von ihm? Wenn nicht, von wem dann?

Isaac: Es ist von Gustav Doré.

Was war die Idee dahinter?

Isaac: Diese Frage kann ich dir nicht beantworten, ohne auf einen Großteil der Texte einzugehen. Wer wirklich Interesse daran hat, soll sich das Album zulegen und ein paar Stunden Zeit investieren.

Das Keyboard ist mit der Zeit immer mehr verschwunden. Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Isaac: Nein, im Gegenteil. Unser Beitrag zur Split CD mit Dies Fyck ist fast frei davon, auf „Bastion Lucifer“ finden sich einige Parts und auf den Goatfuneral Stücken zur „Thuringian Supremacy“ 4-Split verwenden wir es sehr oft?

Seht ihr euch als Teil der thüringischen oder deutschen Black-Metal-Szene? Als Teil der Metal-Szene?

Isaac: Ich denke, was ich von der Metal-Szene halte kann man meiner Antwort zum „Live spielen“ entnehmen. Was den Kontakt zu anderen Bands aus Thüringen angeht, beschränkt sich dieser auf ein paar einzelne Musiker, das ganze hat auch weniger mit den Bands als der richtigen Einstellung der betreffenden Personen zu tun… M.Roth und Yantit von Panzerkreutz/Eisregen sind zwei davon.

Es gibt einen Gedichtband von Christopher Bakken namens „Goat Funeral“ aus dem Jahr 2006.

Kennt ihr das und hat es vielleicht eine Rolle bei der Namensgebung gespielt? Und habt ihr Interesse an Lyrik oder bildender Kunst? Mit Doré, Theodor Kittelsen oder – in der Lyrik – Baudelaire und John Milton (Paradise Lost: „better to reign in hell, than to serve in heaven“) gibt es ja durchaus Künstler, die dem Black Metal thematisch sehr nahe stehen.

Isaac: Nein, ich kannte Christopher Bakken’s „Goat Funeral“ nicht und ich bin auch erst über ihn gestolpert, als wir uns den Namen bereits zu Eigen gemacht hatten. Grundsätzlich bin ich der Meinung, man sollte bei den eigenen Texten einen großen Bogen um fremde Lyrik machen, da aus Inspiration schnell „Diebstahl“ wird und man, wenn man selbst nichts zu sagen hat, besser den Mund hält. Negative Beispiele dafür gibt es ja genug… Was Doré und Kittelsen betrifft, ganz sicher, dazu wurde aber auch schon alles gesagt. Selbstverständlich kann ein Bild mit einer gewissen Stimmung inspirierend und (im Fall von Doré) auch untermalend wirken.

Welche Hobbies habt ihr, die mit Musik nichts zu tun haben? Was macht ihr so?

Isaac: Wir gehen beide einer geregelten Arbeit nach, daneben interessieren wir uns für Filme aus den verschiedensten Bereichen. Bei mir sind es vorzugsweise alte Horror Filme (Hammer) und Autorenkino, Richtung der Kinokontrovers-Reihe.

Wo seht ihr Goat Funeral in zehn Jahren?`Was wollt ihr erreichen?

Isaac: Keine Ahnung, so lange es noch ein paar Leute mit (ernsthaftem) Interesse an Black-Metal gibt, wird sich hoffentlich nichts ändern. Wir machen Alben, veröffentlichen sie über MKP und spielen keine Konzerte.

Welche Platte sollte jeder Black-Metal-Fan gehört haben?

Isaac: Es sind zwei, „Maranatha“ von FUNERAL MIST und „In the Streams of Inferno“ von MYSTICUM

Welche Platte außerhalb des BM?

Isaac: Auch da sind es zwei, „Carnivore“ und „Retaliation“ von CARNIVORE

Last Words?

Nö 😉

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