SUDDEN DARKNESS – Andreas „Neudi“ Neuderth über seine metallischen Anfänge

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Andreas „Neudi“ Neuderth dürfte den meisten als Drummer von MANILLA ROAD bekannt sein und trommelt seit diesem Jahr auch bei der rheinland-pfälzischen Heavy Metal Legende TRANCE. Dass Neudi mittlerweile aber schon über 30 Jahre im Heavy Metal Zirkus aktiv ist, wissen nur die wenigsten. 2014 erschien über Stormspell eine sehr schön aufgemachte Doppel-CD „Fear of Reality: Anthology“, die zwei bisher unveröffentlichte Alben von Neudis ersten beiden Bands SUDDEN DARKNESS und ECONOMIST enthält. Und da SUDDEN DARKNESS die erste Metalband waren, die ich damals live hören durfte und das 1988er Album „Fear of Reality“ feinen Thrash im Stile von alten Metallica und Anthrax enthält, ist das ein guter Grund, uns von Neudi ganz tief in das Goldene Zeitalter des Metal entführen zu lassen. Was das alles mit METALLICA, SAVAGE GRACE und DARKTHRONEs Fenriz zu tun hat, das erfahrt ihr jetzt.

Wie kamst du zum Heavy Metal?

Ich würde sagen, er kam zu mir – über hart-rockige Umwege. Als Kind (und das meine ich wirklich wörtlich) hörte ich intensiv die Schallplatten meiner Eltern und verbrachte damit mehr Zeit als mit Autos spielen oder was man als Kind sonst so tut. Eine der Bands, die ich übrigens noch heute mindestens einmal pro Woche höre, waren CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL. Und jetzt, wo du das fragst, fällt mir auch auf, dass ich auf den zwei Best Of-Scheiben (je 20 Songs) immer Stücke wie „Pegan Baby“ oder „Sweet Hitch Hiker“ gehört habe. Stattdessen habe ich Titel wie „Cotton Fields“ oder „Have You Ever Seen The Rain“ damals schon bewußt links liegen gelassen. Dann kam ein Sampler der Stadtsparkasse auf dem u.a. „Fireball“ von DEEP PURPLE und „House Of The Rising Sun“ von FRIJID PINK war. Das blies mich weg und beschäftigte mich wochenlang. Irgendwann entdeckte ich beim älteren Bruder eines Schulfreundes KISS. Ich sah nur das Foto der „Alive“ und die Energie von diesem Coverbild reichte mir schon. Letztendlich war dann aber STATUS QUOs „Live“ von 1977 meine erste eigene Schallplatte, die ich bis heute über alles liebe, danach kamen dann „Alive!“ und „Alive 2“ von KISS. Ende der Siebziger gab mir eben dieser Bruder eines Schulfreundes seine Live-LPs, da er das Publikum darauf nicht mochte. Da waren Hämmer dabei wie „All The World´s A Stage“ von RUSH und „Unleashed In The East“ von JUDAS PRIEST (die wir standesgemäß „Tschudess Preist“ aussprachen). Da war meine Marschrichtung mehr als klar. Der letzte Eckpfeiler war dann das KISS Konzert (Unmasked Tournee 1980), bei dem eine Newcomerband aus England im Vorprogramm war: IRON MAIDEN. Deren Debüt bekam ich dann zum Geburtstag und es folgten, auf dem gleichen Geburtstags- und Weihnachtsweg z.B. „Break Out“ von TRANCE. KISS rückten (bis in die Neunziger) weit nach hinten. Mit 13 oder 14 hatte ich dann einen älteren Bekannten, der ein kopiertes Fanzine hatte. Erst da tauchte ich in die Materie „Underground“ ein, also Bands, die man damals nur in gewissen Kreisen kannte. „Neat Records“ hatte er zum Beispiel damals komplett, da sie ihm alles schickten. Natürlich wurde auch der örtliche Plattenladen immer wichtiger. Zum Glück war er Metal- und Independent-lastig.

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Was bedeutet dir (Heavy) Metal?

Da er mich seit nun locker drei Jahrzehnten umgibt, ist er mehr als eine Musikrichtung für mich. Ich höre zwar seit ca. 15 Jahren auch verstärkt 70s Rock, Krautrock und sogar 60s Zeugs (ja, bevor die Retro-Welle kam), aber auch das sehe ich zu großen Teilen als Teil des Metals an, denn das waren eben die Vorläufer – auch wenn es bei manchen Bands nur einzelne Songs sind, die heavy waren. Da mich in den Neunzigern die Entwicklung des Heavy Metal eher angekotzt hat (Mixe mit anderen Stilrichtungen wurden als etwas ganz „doll“ Neues verkauft, die Produktion begannen plastikmäßiger zu werden etc.), habe ich einfach die Zeitachse umgedreht, denn ich wollte (und will) ja neue Musik entdecken. Das hat mir ein wesentlich besseres Gesamtbild des Hardrock und Metal gegeben und ich behaupte jetzt mal, dass mir die gesamte Entwicklung von Mitte der 60s bis heute lückenlos klar geworden ist. Das erklärt auch meine große CD/LP-Sammlung. Heavy Metal bedeutet für mich aber auch handgemachte Musik, in denen technische Studiospielereien nichts verloren haben. Eine gute Metalplatte sollte das einfangen, was eine Band live bietet. Damit meine ich nicht „live im Studio“ einspielen, sondern die Ästhetik. Heavy Metal bedeutet aber auch die beste Szene der Welt.

Du hattest ja eine Sendung im Offenen Kanal. Erzähl mal ein bisschen was darüber.

Die Vorderpfalz war ein sogenanntes Kabelpilotprojekt. Die Haushalte rund um die Stadt Ludwigshafen hatten früher Kabel. Aus irgendeinem bekloppten Grund musste die „Anstalt Für Kabelkommunikation“ (AKK), die das Ganze betrieb, ein paar Stunden für Bürgerfernsehen freihalten. In Ludwigshafen war das dann das riesige Studio der frisch gebackenen Sat1. Die waren also gezwungen, inklusive Technikern, Bürger TV machen zu lassen. Das stand dann auch so in der Frankenthaler Lokalzeitung drin. Also entschieden mein Schulfreund Rudi und ich, dass wir eine Heavy Metal Musiksendung machen. Wir waren gerade mal 15 Jahre alt. Und so ließen wir zum Auftakt die lokale Band SAINT’S ANGER 45 Minuten spielen und stellten noch ein paar neue Platten vor. Unfassbar, wenn man das heute sieht. Von unseren Lieblingsplatten suchten wir dann die Telefonnummern der Plattenfirmen heraus und riefen sie an. Noch unvorstellbarer, aber die schickten uns in der Tat Bands rüber. In Folge zockten je 45 Minuten: KREATOR (noch vor der „Pleasure To Kill“), ATLAIN, BACKWATER, OUTSIDE und VAMPYR. Danach bekam dieses Bürgerfernsehen ein eigenes, kleineres und eher rudimentäres Studio und nannte sich „Offener Kanal“. Mit meiner eigenen Band SUDDEN DARKNESS probierten wir das mit dem Livespielen dort aus, aber es klang fürchterlich und es gab natürlich massiv Ärger wegen dem Lärm. Danach hatte ich dann pro Ausgabe (1 x im Monat zwei oder drei Stunden live) eine oder zwei Bands, die Playback spielten. Da waren u.a. PESTILENCE (NL), TARGET (Belgien), LIVING DEATH, SIEGES EVEN, V2, BATTLEFIELD, aber auch ein paar eher lokalere Bands wie POISON ASP. Anfang der Neunziger mussten die Nutzer dann die GEMA-Gebühren selbst bezahlen und das war dann das Ende. Danach habe ich dann lange Radiosendungen gemacht, sogar mal kurz bei RPR (einem privaten Dudelfunksender in Ludwigshafen).

Wann hast du eigentlich mit dem Schlagzeugspielen angefangen? Wieso? Hattest du Vorbilder?

Mein Vater ist Drummer bzw. er hat bis Ende der Sechziger in einer Coverband gespielt. Ein wenig lag das also auch in der Familie. In der vierten Klasse Grundschule besuchte ich einen Schulfreund, der ein Schlagzeug in seinem Zimmer hatte. Ich setzte mich dran und…spielte. Seine Eltern riefen dann meine Eltern an, um ihnen von dieser merkwürdigen Begebenheit zu erzählen. Danach schickten mich meine Eltern in die Staatliche Musikschule, wo ich Drums und Percussion lernte. Je mehr ich konnte, umso eher haben sich auch meine Vorbilder verändert. Lange war es Peter Criss von KISS, aber natürlich merkte ich irgendwann, dass der Mann zwar ok ist, aber eben nicht wirklich gut. Seinen Platz nahmen alsbald Ian Paice und Neil Peart ein, aber auch Les Binks, der Ende der Siebziger bei JUDAS PRIEST getrommelt hatte. Sträflich unterbewertet der Mann. 1986 kam dann noch Randy Foxe von MANILLA ROAD dazu, der mich beeinflusst und gleichzeitig versaut hat. Seitdem höre ich bis heute von Produzenten, ab und an aber auch von Bandmitgliedern: „Du spielst zu viel“. Ich sehe das aber anders. Ein Drumming wie bei AC/DC ist mein persönlicher Alptraum…

Wann haben sich denn SUDDEN DARKNESS gegründet? War das Line Up immer gleich?

Keineswegs! SUDDEN DARKNESS gab es als Hardrockband schon vor meiner Zeit, sogar mit Sängerin. Wir haben dir Gründung dann mit einem späteren Zeitpunkt verkauft. Das wurde mir klar, als mich wegen dem ReRelease auf CD (und nun bald auf Vinyl) intensiv mit den alten Tagen befassen musste. Insofern tippe ich auf 1983 oder 1984. Aber das lässt sich nicht ganz genau sagen. Los ging es 1985, wenn ich mich recht erinnere, als Guido Holzmann (Bass) und ich dazustießen. Der Gitarrist Volker Faust war auch Metaller und das sprengte irgendwann das Können des zweiten Gitarristen, ohne den es dann mit Markus Beringer am Gesang schon deutlich härter zur Sache ging (aus heutiger Sicht ein Mix aus Hardrock und Metal). Tja, und das mutierte dann irgendwann zu einer lupenreinen Thrashband, was man spätestens auf der LP „Fear Of Reality“ hören kann.

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Gab es musikalische Vorbilder und wenn ja, welche waren das?

Im Grunde kamen alle aus den USA. Die üblichen Verdächtigen wie SLAYER und METALLICA waren dabei, aber auch die zweite Welle mit ANTHRAX und S.O.D. Guido hatte schon zuvor Punk und Hardcore als „Zusatzrepertoire“ auf seiner Liste der Lieblinge, während ich weiterhin auch „normalen Metal“ hörte (zusätzlich zu Thrash-Acts!). Gitarrist Volker war eine Zeitlang regelrecht von ANTHRAX und S.O.D. besessen (was dann auch zu Coverversionen führte). Alki, leider Anfang der Neunziger verstorben, war eigentlich eher ein Punk. Ob das echt oder ein Image war, konnte ich nie wirklich herausfinden. Nach der großen Enttäuschung durch die nicht veröffentlichte LP, änderte sich die Besetzung. Mit Axel Schott hatten wir das erste mal einen „richtigen“ Sänger und Roger Dequis hatte einen ganz eigenen Stil. Da fielen dann auch Namen wie ANACRUSIS oder VOIVOD, während Axel THIN LIZZY und SABBATH geil fand. Ich empfinde ECONOMIST, die auch jetzt auf der Doppel-CD weniger gut ankommen als die alten SUDDEN DARKNESS, immer noch als sehr innovativ. Vielleicht wird das irgendwann auch mal von mehr Menschen posthum wahrgenommen. Es ist mit das Beste, was ich vor meiner Zeit mit MANILLA ROAD jemals gemacht habe. Das mag nicht jeder verstehen, aber ich empfinde so. Wenigsten gibt mir Fenriz von DARKTHRONE recht…

Wie war die musikalische Ausrichtung?

Wie gesagt, wir waren immer am Klauen bei den genannten Vorbildern, aber da es bei jedem Mitglied etwas anders war, kam diese Mischung zustande. Die Songs auf der LP sind schon anders als z.B. KREATOR, DESTRUCTION oder unsere Labelkollegen DARKNESS oder NECRONOMICON. Wir wollten in viele Songs unheimlich viele Teile unterbringen. Meistens stammten diese von verworfenen Stücken. „Devil Dope“ dürfte aus vier Songs bestehen, die wir in die Tonne gekloppt haben. Das klang dann nicht immer schlüssig, aber so war das eben damals. Die Grundideen entstanden beim Jammen im Proberaum, wo wir mit einem Kassettenrekorder immer Alles mitgeschnitten hatten. Danach ging dann das Patchwork los.

SUDDEN DARKNESS ist ja ein typischer Metalband-Name der 80er. Schlug sich dieses Düstere auch in den Texten wieder?

Damals kamen die Themen Umwelt und Umweltschutz, sowie Atomkraft und deren Gefahren auf. Die Grünen waren auch noch was recht Neues und viele Thrashbands lagen thematisch auch auf dieser sozialkritischen Welle. Wie naiv die Lyrics auf der Scheibe waren, wurde mir erst beim Remastern für die CD so richtig bewusst. Und wie extrem mies unser aller Englisch war. Mit „Born By Accident“ meinte Sänger Alki eigentlich, dass das Kind ein Unfall war. Es wurde aber sicherlich nicht bei einem Unfall geboren… Solche Sachen findet man einige und ich muss heute darüber schmunzeln. Ich habe all die Texte zum Them Umweltverschmutzung („Fear Of Reality“) geschrieben, aber auch das selten dämliche „Government – Go Home!“. Noch keinen Plan vom Leben, aber schon laut rumtönen.

Ihr habt ja nur ein Demo namens „Iceflowered“ veröffentlicht, kurz vor der Umbenennung in ECONOMIST. Stimmt das oder gab es noch weitere Demos oder Aufnahmen (abgesehen vom Album)?

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Es gab vor dem Album Demos. Auch das war eine schräge Sache, als ich diese Fakten nach all den Jahren für die CD zusammentragen musste. Das erste Tape hieß auf alle Fälle „Lord Nightmare“ und wurde im Haus der Jugend Ludwigshafen aufgenommen. Das war noch mit dem zweiten Gitarrist Jaroslav. Danach wird es etwas undurchsichtiger, weil ich manche Tapes mit anderen Cover und Namen wohl mehrfach im Umlauf gebracht habe (Battle Production Demo Vertrieb nannte sich das).

Es hat aber zwei Studioaufenthalte gegeben. Der erste war mit diesem ominösen Sänger Tom (der ein paar Tage später genau so schnell verschwunden ist wie er aufgetaucht war), bei dem auch unser lokaler Hit „Satanic Butcher“ entstand. Danach haben wir ein zweites Demo aufgenommen, von dem auch alle Songs auf der Platte waren. Mit dem haben wir dann auch den Deal mit GAMA Records bekommen. Allerdings gab es auch eine Kassette mit einem Mix aus beiden Demos, wie ich kürzlich festgestellt habe. Nach der LP und mit Axel Schott haben das von Dir genannte Demo gemacht, was jetzt auch auf der CD (zum Teil) zu finden ist. Danach kam schon das erste und einzige ECONOMIST Demo „Psycho Rotten Creatures“, von welchem dann ein Song auf einen lokalen CD-Sampler (Ludwigshafen, Mannheim) gelandet ist. Das nächste Demo wurde postwendend eine CD, die wir selbst gepresst haben und die dann von Massacre Records richtig veröffentlicht wurde: „New Built Ghetto Status“. Mittlerweile war Guido´s Tonstudio (Soundbunker) ausreichend für sowas bestückt.

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Wie kamt ihr zu euren Bandnamen? Axel Schott erzählte mir vor 24/25 Jahren im Littfaß (einer kleinen Rock/Metal-Kneipe im pfälzischen Frankenthal), dass ihr euch nach der Wirtschaftszeitung benannt habt. Stimmt das? Wieso? Und weshalb habt ihr euch überhaupt umbenannt?

Ich habe meine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei einem Pressevertrieb absolviert und da gab es jährlich eine Hausmesse. Als die vorbei war, lag dort ein große Menge Aufkleber mit dem Logo der Zeitung „The Economist“, wobei das „The“ kaum zu erkennen war. Als Gag nahm ich die mit in den Proberaum und sagte „Wenn wir uns so nennen, dann haben wir kostenlose Aufkleber“. Da Roger auf solche verschrobenen Ideen stand, kam es dann tatsächlich zu diesem neuen Namen. Im Raum stand ansonsten noch Thermo Kibbuz und Cerebral Apoplexy. Wir wollten das Sudden Darkness einfach abschütteln und neu beginnen. Mit dem Bandnamen verband man lokal einfach eine reine Thrash Band und davon war bei ECONOMIST eher wenig zu spüren.

Wie kamt ihr eigentlich zu eurem Deal mit Gama Records? Und wieso wurde da nichts draus?

Es wurde was draus. Es war das „Advanced Madness“ Demo, welches wir an alle Labels verschickt hatten und GAMA luden uns zu sich nach Kirchheim/Teck ein. Wir würden zwar wie Milchbubis aussehen, sagte Peter Garattoni (Das „GA“ von GAMA), aber sie rückten trotzdem einen Deal raus und schickten uns in das Zuckerfabrik Studio nach Stuttgart. Die Platte kam aber niemals raus. Wir wurden erst von Monat zu Monat vertröstet („kommt nächsten Monat raus“) und dann war Funkstille, da es die Firma in der Form nicht mehr gab. Es gab nur 12 Testpressungen für uns, die man uns zuschickte. Wie wertvoll diese Teile heute sind (Auflage:12…..), das kann man sich natürlich denken. Ab den 2000ern wurde die LP zum Mythos und „The Lost GAMA Album“ genannt. Seit dem bekomme ich immer wieder Anfragen von Sammlern nach dieser Testpressung. Zwei habe ich noch und eine davon würde ich verkaufen, aber nicht unter 1000 Euro. Dann behalte ich sie lieber….

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Wie würdest du im Rückblick die Szene in Frankenthal und Umgebung beschreiben? Existiert heute noch etwas ähnliches? Welche Bands gab es da so? Einige wurden ja bekannter. Gibt es einige, bei denen du mehr (oder weniger) erwartet oder erhofft hattest?

Es war gerade Anfang der Achtziger für mich als Kind/Jugendlicher enorm spannend. Die beiden Heavybands waren ODIN’S HAMMER´s und RAMPAGE. In beiden Fällen hätte eine LP sicherlich etwas bewirkt. RAMPAGE haben aber nur lokal gedacht, wenn ich heute zurückschaue. Auftritte waren das, was sie interessierte. ODIN’S HAMMER haben immerhin eine heute extrem rare 7“ Single gemacht, die ich zum Glück damals gekauft habe. Erst vor ein paar Wochen schickte mir ein ex-Bassist eine gesamte unveröffentlichte LP und das Teil ist genial. Ich habe sie für mich remastert und höre das Ding seit dem locker alle zwei Wochen. Metal ist nicht wirklich, aber knallharter Southernrock der Marke BLACKFOOT mit viel TED NUGENT darin. Einfach großartig diese Songs und auch die Aufnahme. Später kam dann die erste echte Metalband namens VISCID VISCERA (später CYCRA), die sogar einen kurzen Demobericht im Metal Hammer hatten. Die waren sehr eigenwillig und hatten deshalb damals kaum eine Chance. Das war´s aber im Grunde auch schon, denn die meisten Bands, mit denen wir gespielt haben und die Metal gemacht haben, kamen aus Ludwigshafen oder Mannheim – zumindest aber Vororte zwischen Frankenthal und diesen Städten. [Das waren dann Bands wie EXCESS, GOMMORHA, ARCUS oder CREMATORY – red]. Schon in den späten Achtzigern wurde die Frankenthaler Szene völlig ekelhaft. Sie wird heute dominiert von ach so lustigen Rockbands, die in Pfälzisch singen. Meistens geht es um´s Weintrinken. Auf Stadtfesten spielten und spielen immer die gleichen Mistbands. Die andere Hälfte sind Coverbands (die teilweise aber auch in Pfälzisch singen). Das findet man in Frankenthal scheinbar ganz toll. Wenn eine Band etwas Eigenes und Innovatives macht, dann erscheinen fünf Leute. Ich musste da einfach weg, sonst wäre ich durchgedreht. Ich bin dann wegen einer Band in die Nähe von Mainz gezogen, wo es wesentlich angenehmer ist, als diese Inzucht, auch wenn ich aus bekannten Gründen mit der regionalen Szene nichts zu tun habe.

Wieso erschien das zweite ECONOMIST nicht mehr? Wieso habt ihr die Band aufgelöst?

Massacre hatten kein Interesse daran, da „New Built…“ wohl nicht gerade gut verkauft hat. Die Platte war zu 70% super, aber es schlichen sich auch Merkwürdigkeiten ein. Nachdem die CD nicht kam war die Luft raus. Guido hatte parallel schon die Waveband GIANT’S CAUSEWAY (die bei Massacre Records bzw. Swan Lake unter Vertrag waren) und ich probte schon mit der Band SHOTGUN MARRIAGE aus Oppenheim (nähe Mainz). Irgendwann verlief sich das regelrecht. Im Grunde gab es nie eine richtige Auflösung.

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Was machen die übrigen Leute heute?

Der Axel ist bei RE-MOTION, die viele Jahre früher mal unter EMOTION firmiert haben. Was die machen weiß ich gar nicht so genau. Axel´s Vorgänger ist bei einem Motorradunfall um´s Leben gekommen und von Volker Faust habe ich seit dem nichts mehr gehört. Die Trennung von ihm war allerdings auch eher unschön (Roger war eine kurze Zeit zweiter Gitarrist). Mit dem Guido habe ich Ende der Neunziger bis Mitte der 2000er noch in Bands gespielt. Erst bei CENTURY, was ein recht großer, aber poppiger Act war (Tourneen mit HIM und PARADISE LOST), danach bei KOKOON. Hier gab es zwei CDs in Eigenproduktion, die erstaunlicherweise heute gesucht werden. KOKOON war eigentlich auch „Heavy-Pop“, aber musikalisch sehr hochwertig. Was Guido heute treibt weiß ich leider nicht. Roger Dequis war ein Teil meiner ex-Band VIRON und es hatte mich damals sehr gefreut, dass wir wieder zusammenarbeiten. Leider wurde sein innovativer Stil (auch beim Songwriting) von unserem Leadgitarrist stets ausgebremst, weswegen auf den beiden VIRON-Alben (vor kurzem als Doppel-CD wiederveröffentlicht) nur je ein „Roger-Song“ steht. Und die mag ich heute fast am meisten. Er war dann auch bei ROXXCALIBUR mit dabei, verließ uns aber nach dem zweiten Album in Richtung Privatleben mit Frau und Beruf. Allerdings war er noch ein Teil der SAVAGE GRACE Reunion (die Speed-Band aus den USA) und der dazugehörigen Europatournee. Ich glaube, er macht heute gar keine Musik mehr, was eine Schande ist.

Was hast du nach ECONOMIST gemacht?

Einen Teil habe ich ja bereits erklärt, aber es gab in der Tat noch mehr. Direkt nach (und schon während) ECONOMIST war ich bei SHOTGUN MARRIAGE, mit denen ich ein Album und eine EP aufgenommen habe. Danach half ich bei Guido´s GIANT’S CAUSEWAY aus. Auf dem dritten Album „Destination:Insecure“ bin ich zwar abgebildet, aber es ist lediglich ein Drumcomputer auf der Scheibe zu hören. Ich kam zu spät dazu. Wir waren auf verschiedenen Tourneen mit anderen Gothic-Metal-Bands. War nie mein Ding, aber es hat dennoch Spaß gemacht. Dann kam die ziemlich große CENTURY-Geschichte auf Majorlabel-Niveau, danach zurück zu kleineren Brötchen mit KOKOON. Erst dann wurde es bis heute wieder richtig Metal. Zwei Alben mit VIRON, drei mit ROXXCALIBUR und seit 2011 bin ich nun in meiner absoluten Lieblingsgruppe MANILLA ROAD aus Wichita, Kansas. Dazwischen war ich bei der ersten CD von MASTERS OF DISGUISE auch noch dabei und kürzlich bin ich bei der deutschen Metallegende TRANCE eingestiegen. Aktuell lautet die Liste also: MANILLA ROAD, TRANCE und ROXXCALIBUR. TV-habe ich von 2006 bis vor kurzem auch wieder gemacht, Streetclip.TV, was allerdings vor ein paar Monaten zu einem normalen Online-Magazin wurde, da die Kosten nie eingespielt wurden. Darüber hinaus schreibe ich für die Hefte Deaf Forever und Break Out und remastere für diverse Labels alte Scheiben aus den 80s. Da ist die Liste auch schon recht lang. Seit 2011 ist alles etwas verrückt geworden…

Und da wären wir betreits in der Gegenwart und bei MANILLA ROAD. Wie kamst du zu der Band?

Ich muss vorausschicken, dass wir uns seit Ende der Neunziger kennen. Ich habe, als das Internet noch recht neu war, eine Fanpage erstellt, die Mark Shelton irgendwann entdeckt hat und die zur Reunion geführt hat. In den folgenden Jahren haben wir uns dann häufig getroffen, wenn die Band einen ihrer seltenen Europa-Trips absolviert hat (da war ja vor meiner Zeit nicht so viel). 2011 hatten sie dann einen Headliner-Gig beim Hammer of Doom Festival in Würzburg, denn sie absagen wollten, weil der damalige Drummer Cory den Bundesstatt Kansas nicht verlassen durfte. Der Veranstalter (Oliver Weinsheimer, der auch das Keep It True macht) brachte dann mich ins Spiel und Mark stimmte zu. Nach zwei Proben im ROXXCALIBUR-Proberaum in Worms spielten wir das Festival – über zwei Stunden lang. Danach wollten sie mich einfach nicht mehr hergeben. Mittlerweile mache ich weitaus mehr als Schlagzeugspielen, da ich auch die Band-Promo hier in Europa mache und die alten Scheiben restauriere und remastere, die dann bei Golden Core/ZYX erscheinen oder bereits erschienen sind.

Dann alles Gute für die nächsten 30 Jahre!

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