IMPETIGO … from the deep heart of Illinois…

Eine der rumpeligsten und sympathischsten Band der Krawallgeschichte waren definitiv die einzigartigen, unvergleichlichen und schockierenden IMPETIGO.

IMPETIGO logoIMPETIGO wurden 1987 von Steve Dobbins (Gesang, Bass), Mark Sawikis (Gitarre), Scotty (Gitarre) und Dan Malin (Schlagzeug) gegründet, um ihrem Faible für Bands wie Hellhammer (hört man nicht wirklich), Death (schon eher) und The Accüsed zu huldigen.
Und weil kranke Musik am sinnvollsten durch kranke Texte ergänzt wird und Zelluloid-Perlen wie „Make them die slowly“ oder „Zombies unter Kannibalen“ zu den Lieblingsfilmen des Quartetts gehörten, war auch die lyrische Thematik schnell gefunden: Blood und Gore, gewürzt mit einer fetten Kelle kranken Humors.

impetigo band

Ein dazu wie Arsch auf Eimer passender Name war glücklicherweise auch schnell gefunden. IMPETIGO! Impetigo Contagiosa ist eine ekelerregende Hautkrankheit, die – was die Jungs als Amis natürlich nicht wussten – in Deutschland früher auch Grindblasen, Grindflechte oder Eitergrind genannt wurde. Besser geht es nun wirklich nicht!
Derart gewappnet war man bereit für die Öffentlichkeit und die war es auch. Das erste Konzert 1987 wurde gleich mitgeschnitten und unter dem Namen „All We Need Is Cheez“ unter die Leute geworfen.

all we need

So richtig los ging es allerdings erst zwei Jahre später mit dem zweiten Demo „Giallo“ (nach dem gleichnamigen italienischen Slasher- und Thrillerfilmgenre), das man auch im Wild Rags Recordstore vorbeibrachte.

giallo all

Dessen Inhaber Richard, auch Kopf des gleichnamigen Labels (Blood, Blasphemy, Nuclear Death) wollte anfänglich zwar keinen Plattendeal rausrücken, ließ sich dann aber problemlos vom guten Demoabsatz eines besseren belehren. Kein Wunder, war Wild Rags ja nicht umsonst als Rip-off-Firma und Richard als geldgeiler Sack verschrien.
Und so kam es, dass 1991 – nach einem unbetiteltem 1990er Promotape – ein zeitloses Meisterwerk des schlechten Geschmacks, „Ultimo Mondo Cannibale“, das Licht der Welt erblickte. 

ultimo 1

ultimo 2

ultimo 3

Mit durchschlagendem Erfolg bei Fans und Kritikern (ein Magazin namens Rock Hard hielt es gar für eine „Beleidigung für jedes denkende, womöglich sogar zahlungswillige Lebewesen“ und zückte null Punkte. „Tendenz fallend“).  

Und weil es gerade so gut lief, schmissen Impetigo und Wild Rags noch im selben Jahr die „Buio Omega“-Single hinterher, die – wie auch schon das Debüt – komischerweise ausgerechnet im Metal Hammer von Robert Müller ganz gut abgefeiert wurde und auch in Sachen Artwork keinen Splatterfreak unbefriedigt ließ. Eines war klar: In diesem Flecken von Illinois sollte man besser keine Autopanne haben…

Nach diesem Doppelschlag waren IMPETIGO im Underground etabliert, auch wenn es auf der Single keine neuen Aufnahmen, sondern lediglich das „Giallo“-Demo zu hören gab. Wild Rags wussten halt, wie man Geld macht!

IMPETIGO - Buio Omega

Das Artwork stammte übrigens wie bei (fast) allen Veröffentlichungen in der Erstauflage von Obersicko Stevo, dessen grafischer Stil meiner Meinung nach durchaus einen nicht unerheblichen Teil des Reizes der Band ausmacht.
Und weil der Name IMPETIGO 1991 einen guten Klang hatte und in diesem Jahr der Death Metal endgültig durch die Decke ging, wurde schnell noch eine weitere 7-inch produziert und den sabbernden Bluthunden zum Fraß vor geworfen.

faceless

„Faceless“ war eine weitere Glorifizierung all der Untugenden dieser italienischen Machwerke, wegen derer diese in den 1980er Jahren fast alle bundesweit beschlagnahmt wurden und lag irgendwo zwischen Grindcore und ultraprimitivem Death Metal. Wie auch schon das Debüt oder andere Perlen aus dem Hause Wild-Rags-Perlen konnte „Faceless“ die Fachpresse meist nicht überzeugen. Aber da damals oft Welten zwischen dem Geschmack der „Fachpresse“ und dem des Undergrounds lagen (so wurde ja fast alles, was heute als Kult gilt, damals – teils sogar von den gleichen Leuten – verrissen) gingen viele abschreckende Kritiken nach hinten los, die Verkäufe hingegen munter weiter.

faceless new

Eine bis heute andauernde Freundschaft mit den Speyerern von Blood ermöglichte der Band im selben Jahr noch einen 7-inch-Auftritt in Form der von Blood in Eigenregie herausgegebenen „Salvation to the Dead/Antefatto“-Split-EP, die sich in kurzer Zeit 4000-fach verkaufte und durchaus als echter Undergroundklassiker gelten kann.

antefatto salvation

1992 folgte das zweite Album „Horror of the Zombies“, das erheblich deathmetallischer ausfiel, aber immer noch weit davon entfernt war, von irgendjemanden mit Klängen beispielsweise Morbid Angels verwechselt zu werden. Im Grunde genommen war eigentlich alles genau so wie immer. Wie es halt so klingt, wenn degenerierte Hinterwälder zum Sodomitentango aufspielen. Punkiger Death-Grind mit  pervesen Gekreische, Gekeife und Gegrunze sowie einer auch musikalisch hörbaren humoristischen Note, die so nur IMPETIGO hatten.
Eine also zumindest im Rahmen der Impetigo-Welt absolut fantastische Scheibe und zugleich auch schon der Abgesang, da der ganze Rummel um die Band (Stevo sprach mal von tausend Briefen die Woche…) den Jungs dann doch zu viel wurde. Und weil IMPETIGO anders als (die ebenfalls ungeheuer sympathischen, also versteht mich nicht falsch) Darkthrone keine Sprücheklopfer waren, kotzte Stevo nach dem Auftritt auf dem Milwaukee Metal Fest noch einmal in den Fotograben und dann war Schluss.

Es gibt definitiv uncoolere Wege abzutreten…

horror

Extrem positiv und allen Bands absolut zur Nachahmung empfohlen ist übrigens, dass die Vier auch dann keine Reunion angingen, als der posthume Kult um die Band im tiefsten Underground ganze Wagenladungen voll Kohle versprach. Schließlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Jungs damals die einsamen Vorreiter dessen waren, was später unter dem Namen „Goregrind“ ein etabliertes Sub-Genre im extremen Metal werden sollte.

live total

Lediglich 2007 gab es – zum 20-jährigen Band- und Livejubiläum – einen einzigen Auftritt, der aber glücklicherweise wie einst der erste mitgeschnitten und als Livealbum raus gehauen wurde. Das zugehörige Video „Defiling the Stage“ (das auch diverse kultige alte Aufnahmen enthält) ist ebenfalls absolut empfehlenswert!

impetigo img copy

Killerband!

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